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Zertifizierung nach dem RSPO (Round Table on Sustainable Palm Oil)-Standard

Ob Margarine, Pizza, Schokoriegel, Waschmittel, Cremes oder Lippenstift – etwa jedes zweite Produkt im Supermarkt enthält Palmöl. Mit einem Anteil von einem Drittel am Gesamtverbrauch zählt dieses vielseitige Produkt inzwischen zu den weltweit wichtigsten Pflanzenölen – und die Nachfrage steigt kontinuierlich.

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RSPO

Gleichzeitig gerät das ergiebige und günstige Palmöl immer wieder in die Kritik. Denn häufig werden für den Anbau der Ölpalmen vor allem in Indonesien und Malaysia große Regenwaldflächen gerodet. Umso wichtiger wird daher, dass die Herstellung nachweislich unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten nachhaltig erfolgt.

Zutaten, die auf Palmöl und Palmkernöl basieren, sind in ca. 50% der Produkte in den Supermarktregalen zu finden - sowohl im Lebensmittel- als auch im Non-Food-Bereich. Palmöl wird oft als einfaches Frittierfett verwendet, aber auch in vielen anderen Bereichen:

  • Lebensmitteleinzelhändler und -hersteller
  • Körperpflege- und Kosmetikindustrie (hauptsächlich Palmkernöl)
  • Biokraftstoff und Energie
  • Futtermittel (Palmkernöl Vertreiber)
  • Arzneimittel
  • industrielle Nutzung
  • Gastronomie und Dienstleitungsindustrie

Zertifizierung nach RSPO SCCS: der Standard

Von der Palmölmühle über sämtliche Verarbeitungsstufen bis hin zum Endprodukt: Erst wenn jede Produktions- und Handelsstufe der Lieferkette von nachhaltigem Palmöl die Anforderungen des RSPO Supply Chain Certification System einhält und dieses von einer unabhängigen, zugelassenen und akkreditierten Zertifizierungsstelle bestätigt wird, können entsprechende Produkte mit einer Aussage über die RSPO-Zertifizierung etikettiert werden. Für zertifiziertes Palmöl sieht RSPO drei Lieferkettenmodelle vor:

  1. Identity Preserved (IP)
    Nach diesem Modell können nur (Halbfertig)-Produkte zertifiziert werden, in denen das enthaltene Palmöl zu 100% RSPO-zertifiziert ist und zu genau einer Palmölplantage zurückverfolgt werden kann. 
  2. Segregation (SG)
    Nach diesem Modell können nur (Halbfertig)-Produkte zertifiziert werden, in denen das enthaltene Palmöl zu 100% RSPO-zertifiziert ist. Dabei kann das Palmöl aber aus verschiedenen zertifizierten Palmölplantagen und Palmölmühlen stammen. 
  3. Mass Balance (MB)
    Nach diesem Modell können Produkte zertifiziert werden, in denen RSPO-zertifiziertes wie auch nicht-zertifiziertes Palmöl enthalten ist. Dabei muss gewährleistet werden, dass die verarbeitete Menge des RSPO-zertifizierten Palmöls der eingekauften Menge zertifizierten Palmöls entspricht. Dieses Modell ist vor allem für Unternehmen interessant, die es aufgrund ihrer Struktur oder ihrer Waren nicht gewährleisten können, zertifizierte und nicht-zertifizierte Rohstoffe immer zu trennen.

Zertifizierung nach RSPO SCCS: die Ziele

Aufgrund seiner Einsatzvielfalt ist Palmöl heutzutage aus unzähligen Produkten – darunter Lebensmittel, Kosmetikprodukte oder Industriestoffe wie Farben und Lacke – nicht mehr weg zu denken. Gleichzeitig steigt die Sensibilität der Verbraucher im Hinblick auf eine umweltfreundliche, ethisch unbedenkliche und sozial adequate Produkterzeugung – die nachhaltige Herstellung rückt immer mehr in den Kundenfokus. Wie nachhaltig die Aktivitäten Ihres Unternehmens tatsächlich sind, wird nicht nur durch Ihr eigenes Handeln bestimmt. Sie werden auch danach beurteilt, wie Ihre Zulieferer sich verhalten. 

Die Zertifizierung einer Lieferkette nach RSPO SCCS bescheinigt eine ununterbrochene Überwachung aller Stufen in der Lieferkette des Palmöls: von der Raffination und Verarbeitung über Veredelung und Transport bis zum Vertrieb und Ankunft beim Verbraucher. Durch eine Zertifizierung stärken Sie das Vertrauen Ihrer Kunden und demonstrieren Ihr Engagement im Bereich der nachhaltigen Herstellung von Palmölprodukten und der Verwendung von nachhaltigem Palmöl in Ihren Produkten.

Zertifizierung nach RSPO SCCS: Wie kann ich mich vorbereiten?

Folgende Voraussetzungen unterstützen Sie bei der Vorbereitung auf eine Zertifizierung nach dem RSPO SCC Standard:
  • Identifizieren und kontrollieren Sie Ihre Kritischen Kontrollpunkte (KKP), d.h. Stellen, an denen die Vermischung von zertifizierten und nicht zertifizierten Materialien möglich wäre.
  • Identifizieren Sie Ihre zertifizierten Produkte klar und deutlich, um sicher zu gehen, dass zertifizierte und nicht-zertifizierte Waren nicht vermischt werden. Im Einzelnen bedeutet dies, dass
    • Produkte aus zertifizierten Quellen eindeutig gekennzeichnet und regelmäßig kontrolliert werden müssen
    • Rohstoffe sowie unfertige und fertige Produkte ebenfalls identifiziert sind und die Rückverfolgbarkeit zu einer zertifizierten Quelle gewährleistet werden kann
    • die Produktion von zertifizierten und nicht-zertifizierten Produkten räumlich oder zeitlich getrennt werden sollte.
  • Bauen Sie eine klare Dokumentation Ihres Systems auf und bewahren Sie Aufzeichnungen, die beispielsweise den Einkauf, die Lieferung, die Warenannahme, den Versand, die Produktion etc. betreffen, auf
  • Schulen Sie Ihr Personal in Bezug auf das System, damit Ihre Mitarbeiter ihre Aufgaben verstehen und effektiv umsetzen können.

Revision des RSPO SCC Standards

Seit dem 21. November 2014 sind der neue RSPO Supply Chain Certification Standard und das neue RSPO Supply Chain Certification System in Kraft und können kostenfrei heruntergeladen werden. Seit dem 1. April 2015 ist die Anwendung des neuen Standards verpflichtend.
Die wesentlichen Änderungen sind Folgende:
  • Allgemein ist die neue Version etwas detaillierter und die Struktur der einzelnen Modul-Kapitel hat sich leicht geändert. „Definitionen“ sind jetzt direkt enthalten und der Punkt „Aufzeichnungen“ wurde in Kapitel 5 General CoC verschoben.
  • Modul D – CPO Mühlen: Identity Preserved (alte Version: Segregation)
  • Neu: Modul G – Gruppen-Zertifizierung
  • 5.7 Registrierung und Transaktion: alle Mitglieder der Lieferkette müssen nun ihre Transaktionen bei e-Trace (RSPO IT System) registrieren
  • Neue Sektionen:
    • Lieferkettenmodell
    • Umsetzungs-Faktoren
    • Beschwerden
    • Management Review
DNV GL ist für Audits nach dem RSPO Supply Chain Certification Standard (RSPO SCCS) akkreditiert. Bei Fragen zur Revision steht Ihnen unsere Expertin Anna-Christina Dembek gerne zur Verfügung.


Was ist der “Round Table on Sustainable Palmoil”?

Um die nachhaltige Produktion von Palmöl zu gewährleisten, haben sich im Jahr 2004 auf Initiative des WWF (World Wide Fund For Nature) Interessensvertreter wie Umweltorganisationen, Lebensmittelkonzerne, Plantagen, Firmen, Hersteller und Einzelhändler für Palmölprodukte zusammengschlossen und die Initiative „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (Der Runde Tisch für Nachhaltiges Palmöl – RSPO) gegründet. Die rund 1.300 RSPO-Mitglieder (Stand Januar 2014) aus über 50 Ländern haben sich unter anderem dazu verpflichtet, dass
  • keine Rodung ökologisch wertvoller Waldflächen zum Anbau der Ölpalmen erfolgt,
  • gesetzliche Regelungen wie Landnutzungs- und Eigentumsrechte eingehalten werden, 
  • Kinderarbeit vermieden wird, 
  • Kleinbauern eingebunden und gefördert werden und
  • die Plantagen durch unabhängige und dafür autorisierte Prüfer kontrolliert werden.
Ziel ist es, die Verwendung von nachhaltigem Palmöl durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Interessensvertretern innerhalb der gesamten Lieferkette  zu unterstützen. 


Warum DNV GL?

Unsere erfahrenen Auditoren bieten Ihnen durch langjährige Praxis im Bereich der Bewertung und Zertifizierung von Lieferketten eine fachliche Expertise über den kompletten Prozess der Zertifizierung hinweg: Von der Vorbereitung über die Planung bis hin zum Audit selbst – wir unterstützen Sie bei jedem Schritt.
Am 1. Dezember 2013 hat die Accreditation Services International (ASI), eine der weltweit führenden Akkreditierungsstellen für Nachhaltigkeitsstandards und -systeme, DNV GL die Akkreditierung für die Zertifizierung nach dem RSPO Supply Chain Certification Standard  (RSPO SCCS) zuerkannt. Damit zählt DNV GL zu den wenigen Zertifizierungsstellen weltweit, die die Audits nach RSPO SCCS durchführen dürfen. Denn seit dem 30. Juni 2014 dürfen ausschließlich durch die ASI akkreditierte Zertifizierungsstellen in diesem Bereich tätig sein. Weitere Vorteile:
  • Assessments: Lassen Sie sich von unseren erfahrenen Mitarbeitern aufzeigen, wie Sie sich am effektivsten auf die RSPO-Zertifizierung vorbereiten.
  • Training: Schulen Sie sich oder Ihre Mitarbeiter, um intern Ihr RSPO-System zu pflegen und weiter zu entwickeln.
  • Informationsveranstaltung: Informieren Sie sich über die Möglichkeiten von RSPO im Rahmen unserer Live Events oder Webseminare.



DNV GL ist Mitglied des Forum nachhaltiges Palmöl (FONAP)
Seit Februar 2015 ist DNV GL Mitglied des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP). Dies ist ein Zusammenschluss aus dem Bundeministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), aus Privatunternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Verbänden. Das Ziel ist es, so schnell wie möglich nur noch nachhaltig zertifiziertes Palmöl nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz einzuführen. Die Mitglieder des Forums Nachhaltiges Palmöl haben sich öffentlich dazu verpflichtet, spätestens ab Ende 2014 nur noch zertifiziertes, nachhaltig produziertes Palmöl zu verwenden bzw. Inhaltsstoffe auf Basis von Palmkernöl durch entsprechende Zertifikate abzudecken. Durch diese und weiterführende Aktivitäten sollen möglichst bald 100% segregiertes und zertifiziertes Palm(kern)öl sowie entsprechende Derivate verfügbar sein.